IT Outsourcing

Spätetens ab 2009 ist der Markt für Softwareentwickler in Deutschland von eklatantem Mangel geprägt.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Outsourcing nicht an Bedeutung aus Gründen der Kostenersparnis.
Outsourcing ist fast der einzige Weg geworden, überhaupt Personal für Softwareentwicklung zu bekommen.

Ein Glück ist es, dass kaum etwas besser für Outsourcing geeignet ist als Softwareentwicklung.
Softwareentwickler sprechen weltweit eine Sprache (hoffentlich). Softwareentwicklung ist international.
Software wiegt nichts und kann kostenlos versandt werden. Die Kommunikationswege sind
fast kostenlos zu benutzen. Die Werkzeuge die die Entwicklung im Team unterstützen, werden immer besser. Alles spricht dafür, viel mehr Entwicklung als heute auszulagern.

Wo sind dann die Fallstricke und Probleme?

Um es kurz zu machen: Outsourcing ist eine gute Möglichkeit Softwareprojekte abzuwickeln. Allerdings ist die Erwartungshaltung oft falsch. Das führt zu Enttäuschungen.

Viele IT Verantwortliche glauben:
1. Softwareentwicklung im Ausland ist günstig.
Das stimmt aber nicht unbedingt. Meine Erfahrung ist eher: gute Softwareentwickler bekommt man im Ausland kaum günstiger als hierzulande. Aber man bekommt sie eben. Und das ist zur Zeit in Deutschland höchst fraglich.
2. Wir schicken das Pflichtenheft an den Offshorestandort und dann funktioniert dort die Softwareentwicklung.
Das stimmt für Offshorestandorte natürlich noch weniger, als für Entwicklung im Inland. Die Spezifikationen sind zu schlecht und meistens schon veraltet, wenn sie fertig sind. Es ist sogar sinnlos Fach-Spezifikationen an Offshorestandorte zu senden. Vielmehr müssen die Fach-Anforderungen in IT Anforderungen übersetzt werden. Erst die IT Anforderungen dürfen ins Ausland. Dieser Punkt wird sehr oft missachtet. Was zu dieser Fehleinschätzung führt, ist schlicht: mangelnde Erfahrung.



Viele IT Verantwortliche unterschätzen außerdem den zusätzlichen Aufwand für Kommunikation bei Outsourcing Projekten. Es ist eben oft nicht möglich schnell ein Meeting einzuberufen. Kommunikation bei Outsourcing Projekten bedarf der sorgfältigen Planung.
1. Prüfen Sie zu Anfang die sprachlichen Fähigkeiten und die Antwortzeiten Ihrer Partner am Offshore Standort. Sind sie nicht zufrieden, beenden Sie die Zusammenarbeit schnellstens. Missverständnisse später werden Sie sonst teuer bezahlen. Rudimentäre Englischkenntnisse reichen nicht aus.
2. Beschreiben Sie die Zusammenarbeit detailliert. Bei Softwareentwicklung heisst das: Stellen Sie Entwicklungs- und Dokumentationsrichtlinien zur Verfügung. Die müssen Sie nicht selbst schreiben. Es gibt bewährte, weltweit anerkannte Richtlinien für fast jede Sprache und fast jede Bibloithek. Nutzen Sie diese. Sie sind höchstwahrscheinlich am Offshorestandort schon bekannt. Falls Sie Ihnen die Auswahl an Entwicklungsrichtlinien schwer fällt, fragen einfach mich.
3. Teilen Sie mit, nach welchen Qualitätsmaßstäben Sie das Produkt beurteilen wollen. Wenden Sie die Maßstäbe zu den vereinbarten Meilensteinen an. Beenden Sie die Zusammenarbeit falls die entwickelten Komponenten durchfallen.
4. Kommunizieren Sie nicht mit Kommunikatoren, sondern mit Entwicklern. Viele Offshore - Dienstleister haben speziell für die Kommunikation mit dem Kunden vorgesehene Mitarbeiter, die Key Account Manager heissen könnten. Diese Manager sind selbst keine Entwickler, können dafür exzellent Englisch per Mail und Telefon. Vertrauen Sie Ihr Projekt einem solchen Dienstleister an, haben Sie in der Regel schon verloren. Der Kommunikator kann nicht verstehen, was Sie an IT Spezifikationen weitergeben wollen, gibt das aber niemals zu. Seine Entwickler sind auf ihn angewiesen um zu verstehen, was Sie wollen. Das Projekt führt zu keinem guten Ende.
5. Kommunikation ist ein Zeitfaktor. Sehen Sie genügend Zeit dafür vor, das Projekt zu betreuen. Es wird immer Rückfragen geben. Auch wenn Sie denken die Spezifikation ist wasserdicht. Die Entwickler fragen trotzdem. Dabei ganz wichtig: antworten Sie schnell. Lassen Sie die Offshore - Entwickler auf Ihre Antwort warten, können Sie sicher sein, dass Zeit verschwendet wird. Wegen der Zeitverschiebung zum Offshore - Standort heisst das meistens, zu ungewöhnlichen Zeiten im Büro zu sein. Teilen Sie den Offshore - Entwicklern mit, zu welchen Zeiten Sie für Fragen zur Verfügung stehen.

Sie haben übrigens kaum eine Möglichkeit die IT Kenntnisse der externen Mitarbeiter vorab zu prüfen. Die Kenntnisse der externen Mitarbeiter am Offshore Standort sind fast immer geringer als vorher angegeben. Trotzdem können Sie davon ausgehen, dass sie das fehlende Wissen in kurzer Zeit erlangen werden. So ist jedenfalls meine Erfahrung. Planen Sie trotzdem eine Zeitreserve ein. Helfen Sie den externen Mitarbeitern Irrwege bei der Entwicklung zu vermeiden. Das setzt wiederum intensive Kommunikation voraus.

Fortsetzung:

Projekte aufteilen und getrennt vergeben.

Menüauswahl